Andrologie
Andrologie (griechisch „andros - der Mann“) bezeichnet eine neue Disziplin, die sich mit männerspezifischen Gesundheitsfragen beschäftigt. Hierzu gehören der große Bereich der Sexualstörungen, die Kinderwunschtherapie sowie der männliche Hormonhaushalt mit mannigfaltigen Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität.
Wenn Sie sich in der andrologischen Sprechstunde vorstellen möchten, können Sie gerne Ihre Partnerin oder Partner mitbringen, wenn Sie es wünschen. Gerade Themen wie Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss oder der unerfüllte Kinderwunsch sind oftmals in der Partnerschaft tief verankert, so dass ein Gespräch zu dritt häufig von großem Vorteil sein kann.
Erektionsstörungen – Erektile Dysfunktion (ED)
Weltweit durchgeführte Studien beziffern die Zahl von Männern mit Erektiler Dysfunktion (ED) auf bis zu 50%. Hierbei muss man die echten Erektionsstörungen von hin und wieder auftretenden „Erektionsschwächen“ unterscheiden. Aktuelle Studien aus Deutschland haben gezeigt, dass zum Teil auch junge Männer zwischen 18 und 30 von echten Erektionsstörungen berichten. Insgesamt leiden nach aktuellen Schätzungen zurzeit über 6 Millionen Männer in Deutschland an einer ED mit verschiedenen Ausprägungen. Mittlerweile ist es aber möglich, durch spezielle Diagnostik verschiedene Arten der Erektionsstörung zu klassifizieren. Darüber hinaus kann für jede Art von Erektionsstörung eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.
Symptome
Impotenz, Erektionsstörungen oder auch erektile Dysfunktion (ED) äußern sich in geminderter sexueller Lust (Libidostörungen), Störungen des Bluteinstromes in den Penis (mangelhafte Gliedsteife, vorzeitiges Abschwellen), Kohabitationsstörungen (Penisverkrümmungen bei der Erektion, gestörtes Einführen des Penis in die Scheide beim Geschlechtsverkehr) oder in Ejakulationsstörungen (vorzeitiger oder fehlender Samenerguss).
Ursachen
Die Ursachen einer Erektionsstörung können zunächst in 2 große Gruppen eingeteilt werden. Zum einen gibt es die psychosomatisch bedingte ED, zum anderen die organisch (körperlich) bedingte ED. Je jünger ein Betroffener ist, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer psychosomatisch bedingten ED. Je älter ein Patient ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von verschiedenen Begleiterkrankungen (Gefäßerkrankungen, Diabetes, langjähriger Nikotingebrauch, Testosteronmangel durch Übergewicht, etc.), die eine ED auf körperlichem Wege herbeiführen oder verstärken können.
Hier sehen Sie einige Ursachen für das Auftreten von Erektionsstörungen aufgelistet:
Psychosomatische Ursachen
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Versagensängste
- Partnerschaftliche Probleme
- Vergangenheitsbewältigung
- Generelle Angststörungen
- Stress
- Burn-Out
- Depressionen
Organische Störungen
- Durchblutungsstörungen (Penis, Beckengefäße)
- Peniserkrankungen (Induration Penis plastica)
- Nervale Störungen nach operativen Eingriffen (Prostata, Blase, Darm)
- Querschnittslähmung, Bandscheibenvorfälle, Multiple Sklerose
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Erhöhter Blutdruck (arterieller Hypertonus)
- Störungen der Hypophyse
- Störungen des Fettstoffwechsels
- Übergewicht (Adipositas)
- Testosteronmangel
- Psychopharmka
- Bestimmte Blutdruckmittel
- Hormontherapie
- Bluterkrankungen
- Alkohol, Nikotin, Drogen
- Kombinierte Ursachen
Diagnostik
Entsprechend den vielfältigen Ursachen können wir ein breites Spektrum diagnostischer Methoden einsetzen: Eine ausführliche und systematische Erhebung der Vorgeschichte und Problematik (Anamnese, Sexualanamnese) ist notwendig, um die Problematik im Kern zu erfassen. Zusätzlich ist eine ausführliche klinische Untersuchung hilfreich, um anatomische Ursachen auszuschließen. Weitere wichtige diagnostische Mittel zur Eingrenzung der Ursachen sind verschiedene Laboruntersuchungen (Risikofaktoren, Hormonstatus) sowie in manchen Fällen ein Schwellkörperinjektionstest (SKAT - Test) mit Ultraschalluntersuchung der Penisgefäße mit Fließeigenschaften (Duplexsonographie). Zur Abgrenzung psychosomatischer Erektionsstörung bieten wir die nächtliche Elektro-Volumen-Impedanz-Messung (NEVA) an.
Behandlung
Auch die verschiedenen Therapieformen werden dem breiten Ursachenspektrum mittlerweile gerecht:
Medikamentöse Behandlung mit PDE-5-Inhibitoren
Seit 1997 ist mit Viagra© das erste Medikament dieser Art auf den Markt gekommen. Mittlerweile gibt es noch zwei weitere (Cialis© und Levitra©). Alle drei Medikamente sind sehr sicher, haben aber ein unterschiedliches Wirkprofil. Welches der Medikamente zu favorisieren ist, sollte individuell besprochen werden.
Neben den PDE-5-Hemmern kann bei leichten Erektionsstörungen auch eine gezielte orthomolekulare Therapie gute Ergebnisse erzielen.
Sollte die Einnahme von PDE-5-Hemmern nicht ausreichend sein, um eine zufriedenstellende Erektion zu erzielen, kann eine zweite Stufe der Therapie eingeleitet werden. Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie – kurz SKAT genannt - werden erektionsfördernde Wirkstoffe mit einer feinen Nadel, ähnlich wie das Insulin bei Diabetikern, bei Bedarf direkt in den Schwellkörper des Penis gespritzt. Die Gabe ist hierbei schmerzlos und wird fast nicht gespürt.
Bei der MUSE-Therapie (medicated urethral system for erection) wird das gleiche Medikament in Form einer kleinen weichen Tablette mit einem speziellen Applikator in die vordere Harnröhre eingebracht und vorsichtig von dort in den Schwellkörper einmassiert.
Sollten die medikamentösen Therapien weiterhin keine zufrieden stellenden Erektionen erbringen, kann das daran liegen, dass die Venen das Blut zu schnell vom Penis zurück in den Körper lassen. Liegt ein Defekt an diesem Gefäßmechanismus vor, kann mit Hilfe einer Vakuum-Pumpe der natürliche Blutfluss in die Schwellkörper unterstützt werden. Ein Gummiring verhindert den Rückfluss des Blutes, solange die Erektion erhalten bleiben soll.
Sollte als Ursache der Erektionsstörung ein Testosteronmangel gefunden werden, kann das männliche Sexualhormon als Medikament hinzu gegeben werden. Mittlerweile gibt es auch im Bereich der Testosteronsubstitution verschiedene Produkte mit gutem Wirkspektrum. Diese sind aber in ihrer Anwendung unterschiedlich. Zu nennen ist hier primär die Testosterongabe als Gel, welches sich der Patient morgens selbst aufträgt. Des Weiteren gibt es Depot-Spritzen, die monatlich oder alle drei Monate vom Arzt verabreicht werden.
Als weitere Möglichkeit steht die Implantation von künstlichen Schwellkörpern zur Verfügung. Diese Option sollte erst dann ausgeschöpft werden, wenn alle anderen Verfahren keinen Erfolg erbracht haben. Bei der Implantation der Schwellkörper wird das natürliche Gewebe zerstört, so dass eine normale Erektion nicht mehr möglich ist. Bei den Implantationsverfahren gibt es zwei verschiedene Modelle: Zum einen die biegsamen Implantate, die in den Schwellkörper eingebracht werden und anschließend von Hand zurechtgebogen werden können. Eine physiologische Variante stellen die hydraulischen Schwellkörperimplantate dar, die durch eine Pumpe aktiviert werden können. Dadurch kommt es zu einer wirklichen Erektion, die bei Bedarf durch ein Auslassventil wieder abgelassen werden kann.
Vorzeitiger Samenerguss – Ejaculation präcox
Der vorzeitige Samenerguss, auch Ejakulatio Präcox genannt, ist eine häufige Ejakulations- und Sexualstörung insgesamt. In großen Studien konnte gezeigt werden, dass bis zu 20 % der Männer davon betroffen sind, wobei Männer aller Altersgruppen gleichermaßen darunter leiden. Bei der Ejakulatio Präcox ist die Zeit von der vaginalen Penetration bis zum Samenerguss (IELT – intravaginal ejaculation latency time) deutlich verkürzt. Bei einigen Patienten beträgt die IELT wenige Sekunden, bei anderen 1-2 Minuten. Eine Behandlungsbedürftigkeit besteht zum einen bei subjektiven Beschwerden des Patienten, andererseits sollte auch die sexuelle Lebensqualität der Partnerin unabhängig von der IELT in die Behandlungsindikation mit einbezogen werden.
Neben verschiedenen effektiven Verhaltensregeln gibt es die Möglichkeit verschiedener topischer und medikamentöser Therapieverfahren, womit die IELT bis auf ein Vierfaches und mehr verlängert werden kann. In vielen Fällen ist eine psychosomatische Störung ursächlich, so dass hier eine Gesprächstherapie helfen kann.
Testosteronmangel – “Aging male symptom”
Testosteron ist ein Hormon, welchem im gesamten Körper unterschiedliche Aufgaben zukommen. Als Sexualhormon vollzieht es während der Entwicklung des Mannes die typischen Veränderungen, die den Mann zum Mann machen. Außerdem wird durch Testosteron die Libido, also das sexuelle Verlangen, erzeugt und gesteuert. Im Hirn und im Rückenmark beeinflusst es Neurotransmitter und bestimmt damit das Auftreten von Erektionen. Im Penis steuert Testosteron den Aufbau der glatten Muskelzellen, die den Bluteinstrom während der Erektion gewährleisten. Darüberhinaus ist Testosteron für die Zeugungsfähigkeit bei der Spermienbildung eminent wichtig. Außerhalb der Geschlechtsorgane spielt Testosteron eine wichtige Rolle beim Knochenstoffwechsel. Mittlerweile ist auch bekannt, dass Testosteron ein Schlüsselhormon bei der Entstehung von Diabetes und dem Metabolischen Syndrom darstellt. Außerdem hat es eine zentrale Rolle beim Muskel- und Fettstoffwechsel. Des Weiteren wirkt Testosteron bei der Blutbildung und als gefäßschützendes Hormon durch Aktivierung von Gefäßreparatur-Zellen.
Bei dieser Fülle an wichtigen Funktionen ist es nicht verwunderlich, dass ein Mangel an Testosteron Schaden anrichten kann.
Im Alter kommt es zwangsläufig zur Abnahme von Testosteron. Sollte das Testosteron einen – individuell unterschiedlichen – Wert unterschreiten, können hierdurch bestimmte Symptome verursacht werden:
- Erektionsstörungen
- Libidoverlust
- Ejakulationsstörungen
- Verkleinerung des Penis
- Depressive Verstimmung
- Schlafstörungen
- Schnelle Ermüdbarkeit
- Verlust an Muskelkraft
- Gewichtszunahme
- Hautveränderungen
- Verlust der Körperbehaarung
- Vermehrtes Schwitzen
- Hitzewallungen
Durch spezielle Fragebögen, gezielte Gespräche, klinische Untersuchungen und geeignete Laboruntersuchungen kann das Beschwerdebild gut eingegrenzt werden.
Nach Ausschluss von Kontraindikationen und Beschwerden wird über Möglichkeiten und Gefahren einer Hormonsubstitution beraten. Hierzu stehen verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung. Neben einem Gel, welches sich der Patient täglich selbst auftragen kann, besteht die Möglichkeit von Depot-Spritzen, die monatlich oder alle drei Monate vom Arzt gegeben werden.
Bei Beginn der Behandlung mit Testosteron-Präparaten werden die Patienten zunächst engmaschig überwacht (Blutbild, Leberwerte, PSA-Wert, rektale Untersuchung, transrektaler Ultraschall), anschließend reicht eine jährliche Kontrolle aus.
Metabolisches Syndrom
Die zunehmende Über- und Fehlernährung der Bevölkerung führte zu einer rasanten Zunahme von Fettleibigkeit mit erhöhtem Cholesterin, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit (Diabetes). Mittlerweile wurde für dieses Symptomquartett der medizinische Begriff Metabolisches Syndrom gefunden. Zur Verdeutlichung der Brisanz dieser Erkrankung wird auch der Begriff „tödliches Quartett“ gebraucht. Mittlerweile ist bekannt, dass bei Vorliegen der beschriebenen Symptome die Sterblichkeit durch Herzinfarkte, Schlaganfälle und weitere gefäßbedingte Ursachen um ein Vielfaches erhöht ist. In den letzten Jahren sind in vielen verschiedenen Studien immer wieder gleiche Daten dahingehend bestätigt worden, dass Patienten mit einem Testosteronmangel ein deutlich höheres Risiko für ein metabolisches Syndrom haben. Im weiteren Zuge dieses Forschungsgebietes ist gezeigt worden, dass die Zufuhr von Testosteron bei diesen Patienten eine deutliche Verbesserung der Parameter des Metabolischen Syndroms zufolge haben. Mittlerweile haben auch Internisten und Diabetologen den Wert einer Testosterontherapie bei Diabetes erkannt und haben dieses Hormon in ihre Therapiestrategien mit aufgenommen.
Unerfüllter Kinderwunsch - Infertilität
Bis zu 17% aller Paare in Deutschland haben in ihrer Partnerschaft einen unerfüllten Kinderwunsch, aber nur 3% bleiben tatsächlich kinderlos. In einigen Fällen kommt es nach einer längeren Wartezeit zur Schwangerschaft, in anderen Fällen kann durch gezielte Diagnostik und Therapie eine Schwangerschaft erzielt werden.
Die Ursachen für ein Ausbleiben einer Schwangerschaft sind in etwa 40% bei der Frau zu finden. In ca. 20% ist der Mann in seiner Zeugungsfähigkeit eingeschränkt und bei weiteren 25% findet sich bei beiden Partnern eine Störung. Bei den verbleibenden Paaren kann keine Ursache gefunden werden, man spricht dann von einer „idiopathischen Infertilität“. Die Infertilität der Frau wird in gynäkologischen Fachabteilungen diagnostiziert und behandelt. Um den betroffenen Paaren bestmöglich zu helfen, besteht zwischen unserer Praxis und spezialisierten gynäkologischen Praxen eine enge Kooperation.
Ursachen
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann aus der Sicht des Mannes viele verschiedene Ursachen haben:
- Genetische Störungen
- Hormonelle Störungen
- Chromosomenstörungen
- „Krampfadern“ des Hodens (Varikozele)
- Frühere Verletzungen im Genitalbereich
- Verschlüsse der ableitenden Samenwege
- Veränderungen der Samenflüssigkeit
- Frühere Infektionen im Genitalbereich
- Mumpsinfektionen
- Auto-Antikörper gegen Spermien
- Angeborene Fehlbildungen (z.B. Hodenhochstand, Fehlen der Samenleiter)
- Erkrankungen der Niere
- Erkrankungen der Schilddrüse
- Zystische Fibrose
- Erektionsstörungen
- Ejakulationsstörungen
- Anatomische Fehlbildungen des Penis
- Übergewicht
- Hodentumore
- Allgemeine Lebensumstände (Stress, Hochleistungssport)
- Beruf, Lebensgewohnheiten
- Alkohol, Nikotin, Drogen
- Medikamente
Bei einigen Patienten wird sich kein eindeutiger Grund für die Infertilität finden lassen, so dass letztlich bei ca. 30% der Patienten die Diagnose einer „idiopathischen Infertilität“ gestellt werden muss.
Diagnostik
Mit differenzierter Diagnostik kann in immer mehr Fällen die Ursache für die männliche Infertilität gefunden werden.
Entscheidend ist zunächst eine ausführliche und systematische Befragung. Sie können gerne Ihre Partnerin in die Sprechstunde mitbringen. Des Weiteren gehören eine körperliche Untersuchung und eine Ultraschalldiagnostik zum Standard.
Des Weiteren bieten wir an:
- Laboruntersuchungen von Blut und Urin
- Status der Sexualhormone und weiterführende Hormondiagnostik
- Spermiogramm (Untersuchung des Ejakulates)
- Ultraschall, Doppler-Ultraschall, Power-Doppler-Ultraschall
- Genetische Untersuchungen
Behandlung
Bei einigen Ursachen kann eine gezielte Therapie erfolgen. Bei vielen Diagnosen kann eine generelle medikamentöse/hormonelle Therapie begonnen werden, um die Qualität der Spermien wieder zu verbessern.
Therapie von Hodenkrampfadern
- offene Operation oder mittels minimal invasiver Bauchspiegelungstechnik, Laparoskopie
Mikrochirurgische Verfahren
- Refertilisierung – operativer Wiederanschluss nach Vasektomie
- Operativer Wiederanschluss von Nebenhodenkanälchen bei Verschlussazoospermie
Operative Entfernung von Prostatazysten oder Steinen
- Operative Spermiengewinnung zur Kryokonservierung oder künstlicher Befruchtung (TESE)
- Medikamentöse Therapie bei entzündlichen Verschlüssen
- Hormontherapie bei speziellen hormonellen Störungen
- Hormonelle Therapie bei Abnahme der Spermienzahl
- Medikamentöse Therapie bei retrograder Ejakulation
- Antibiotische Behandlung spezieller Infektionen
- Antioxidative Therapie zur generellen Optimierung der Spermiogramm-Parameter.
Ausschaltung von Umweltgiften
- Änderung spezieller Lebensumstände
Männliche Schwangerschaftsverhütung – Sterilisation/Vasektomie
Männer, bei denen der Kinderwunsch abgeschlossen ist, oder die ihren Partnerinnen die hormonelle Verhütung ersparen möchten, können sich nach ausführlicher Beratung operativ sterilisieren lassen. Hierbei wird in lokaler Narkose der Samenleiter auf beiden Seiten durchtrennt. Ein Großteil (<90%) des Ejakulates stammt aus der Prostata und der Samenblasen, so dass die Ejakulation und der Orgasmus wie vor der Operation erlebt werden können. In einem ausführlichen Gespräch werden Vor- und Nachteile sowie Risiken der Operation besprochen.
Mittlerweile ist durch mikrochirurgische Verfahren die Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit in der Regel möglich, so dass die ambulante Operation eine durchaus zu diskutierende Alternative darstellt. Die Kosten der Operation werden nicht von der Krankenkasse getragen. Inklusive der nachfolgenden Spermiogrammen beläuft sich die Behandlung auf etwa 400 €.
Dauerhafte Hodenschmerzen – Chronische Testidodynie
Hoden- oder Nebenhodenschmerzen sind relativ häufig und verschwinden nach effektiver Therapie meist vollständig. Sollte durch Verletzungen, Entzündungen oder Vernarbungen ein chronischer Schmerz entstehen, bleibt eine medikamentöse Therapie irgendwann oft ohne Erfolg. Für den Fall, dass ein chronischer Hodenschmerz über Monate oder Jahre bestehen bleibt, kann ein operatives Verfahren zur effektiven Schmerztherapie angewendet werden. Bei der mikrochirurgischen testikulären Denervierung werden unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskopes alle Nervenbahnen im Samenstrang, die den Schmerz vom Hoden zum Hirn leiten, durchtrennt. Der Eingriff sollte nur von Operateuren durchgeführt werden, die gute mikrochirurgische Kenntnisse haben.
Penisabknickung - Induration Penis Plastica (IPP)
Bei der Induratio Penis Plastica ist als erstes meist eine neu aufgetretene und am Penisschaft tastbare Verhärtung, der sogenannte „Plaque“, zu tasten. Im weiteren Verlauf kann an der Stelle, wo der Plaque am Penis fixiert ist, eine Abschnürung der Schwellkörper mit einer Abknickung bei Erektion bemerkt werden. Diese Abknickung kann über Monate bis Jahre weiter zunehmen, bis der Penis eine 90° Krümmung hat und Geschlechtsverkehr nicht mehr durchgeführt werden kann. Des Weiteren kann im Verlauf der Erkrankung ein deutlicher Schmerz bei Erektion auftreten, so dass es zu einer erektilen Dysfunktion kommen kann. Der Verlauf der Erkrankung ist meistens langsam fortschreitend, in einigen Fällen bleibt eine leichte Krümmung aber bestehen, in ca. 20 % sind sogar spontane Heilungen beschrieben. Die medikamentöse Therapie mit hochdosiertem Vitamin E, Ca-Antagonisten, Kalium-Amino-Benzoat oder Carnitin haben in verschiedenen Studien nur leidlich Erfolge gezeigt, so dass davon mittlerweile häufig abgesehen wird. Sollte die IPP einen zufriedenstellenden Geschlechtsverkehr für Patient und Partnerin nicht mehr zulassen, können verschiedene operative Methoden angewendet werden, um den Penis wieder aufzurichten und/oder den Plaque zu entfernen.
